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KI in jedem Atemzug im Daily Business | Zwischen Automatisierung und Empathie

28Mär2025
7 min
KI Daily Business

HR-Know-how aus der Praxis für die Praxis

Inhalt

Postulieren wir mal, KI durchdringe ganz grundsätzlich den Arbeitsalltag von vielen Mitarbeitenden und Führungskräften. Völlig unabhängig von der fachlichen Fähigkeit, KI zu nutzen. Welche Fähigkeiten sind nötig?

Ein Experten-Interview, das sich von Teams über Führungskräfte bis hin zu Software spannt.

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Experten-Interview

KI & Persönlichkeit

Was braucht es auf der Seite der Persönlichkeit/Persönlichkeitsentwicklung, um KI sinnvoll einzusetzen und sich davon nicht überrennen zu lassen?

Mag. Paul Bischofberger (Team|Manufaktur)

Lapidar formuliert würde ich meinen, es braucht ein hohes Maß an gesunder Skepsis, gepaart mit einem ausgeprägten Sinn für Neugierde. Früher sagte man: „Glaub nicht alles, was in der Zeitung steht.“ Heute gilt das für KI: „Glaub nicht alles, was die KI dir sagt. Vieles davon ist halluziniert.“ Gleichzeitig ist es unbedingt notwendig, neuer Technologie gegenüber offen zu bleiben, sich verschiedene Tools genau anzusehen und auszuprobieren, um zu verstehen, wie sie genutzt werden können, denn eines scheint mir sicher: KI wird aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken sein.

Mag. Armand Kaáli-Nagy (ÖPWZ)

Für den sinnvollen Einsatz von KI sind Mut, Kreativität und KI-Kompetenz von den Anwendern gefordert.

  • Mut, die eintrainierten Routinen zu hinterfragen und neue Wege in der Erledigung von Aufgaben zuzulassen.
  • Kreativität beim Einsatz von KI-Tools und der Kombination unterschiedlicher Tools für ein optimales Ergebnis.
  • Kompetenz einerseits in der Benutzung der Tools aber auch das Verständnis, wie die KI im Hintergrund funktioniert.

Das erhält die Freude an der Arbeit und erhöht die Produktivität. Hat man Angst vor der Technologie oder der Veränderung führt es nicht zu einer positiven Veränderung, sondern hat negative Auswirkungen.

Oft sind Führungskräfte die Vorreiter in der Organisation und dürfen als Erste neue Technologien ausprobieren. Wie bei allen ist auch bei Führungskräften Mut, Kreativität und KI-Kompetenz gefragt. Gerade aber am Beginn ist das Ausprobieren und Auswählen, welche Systeme für die eigene Organisation passen, besonders wichtig. Führungskräfte sollten dabei begleitet werden und einen Raum für den Austausch mit anderen Führungskräften geschaffen werden. Die Personalentwicklung kann diese Phase gut moderieren und begleiten. Neben der technischen und organisatorischen Ebene darf die persönliche Ebene nicht vergessen werden, denn Führungskräfte sind in dieser Veränderung mehrfach gefordert und erleben die Veränderung selbst auch mit.

Mag. Marina Begic, CMC (MDI)

Um KI sinnvoll einzusetzen, ist es entscheidend, dass man sich selbst gut kennt und eine offene Haltung gegenüber neuen Technologien einnimmt. Selbstführung, Neugier und die Bereitschaft, Neues zu lernen, bilden das Fundament. Diejenigen, die erfolgreich mit KI arbeiten, sind oft die, die gleichzeitig neugierig und kritisch bleiben. Auch Resilienz ist wichtig, denn KI-Projekte verlaufen nicht immer reibungslos. Schließlich zählt die Fähigkeit, die Ergebnisse der KI zu hinterfragen und ethisch zu reflektieren, um sich nicht von der Technologie überrollen zu lassen.

KI & zwischenmenschliche Kommunikation

Wie können TEAMS und FÜHRUNGSKRÄFTE ihre zwischenmenschliche Kommunikation anpassen, um trotz – oder gerade aufgrund von – KI ein starkes kommunikatives Band zu schaffen und zu erhalten?

Johannes Kreiner (Sage):

In der zunehmend digitalisierten Arbeitswelt sollte KI als unterstützendes Werkzeug verstanden werden, das menschliche Interaktionen ergänzt, anstatt sie zu ersetzen. Trotz der Effizienzgewinne durch KI bleibt die emotionale Intelligenz der Menschen unverzichtbar. Führungskräfte sind gefordert, Empathie zu fördern und aktiv zuzuhören, um die Bedürfnisse ihrer Teammitglieder wahrzunehmen. Ein transparenter Umgang mit KI ist entscheidend, um Unsicherheiten zu reduzieren und das Vertrauen der Mitarbeitenden zu stärken. KI-gestützte Analysen können genutzt werden, um Gespräche zu personalisieren – beispielsweise können gezielte Entwicklungspläne auf Basis von Daten während eines persönlichen Gesprächs mit dem Mitarbeitenden besprochen werden.

Schlussendlich kommt es darauf an, eine ausgewogene Integration von KI und menschlicher Zusammenarbeit zu finden. KI kann Kommunikation verbessern, aber nicht ersetzen – es braucht bewusst geförderte zwischenmenschliche Beziehungen, um die Akzeptanz und den Mehrwert von KI in HR-Teams zu maximieren.

Mag. Armand Kaáli-Nagy (ÖPWZ):

Der Bedarf einer guten zwischenmenschlichen Kommunikation ist unabhängig von KI und KI-Tools. Beim Einsatz von KI darf diese Kommunikation nicht verloren gehen. Schon beim mobilen Arbeiten hat sich das gezeigt und KI wird nicht die Kommunikation mit Menschen ersetzen können. Dort, wo ich KI unterstützt Fragen beantworten lasse oder Services anbiete, muss man innerbetrieblich weiterhin Kommunikationskanäle bereitstellen, um den persönlichen Kontakt zu ermöglichen.

Führungskräfte sind auch im Zusammenhang mit KI sehr gefordert und müssen lernen, mangelnde Kommunikation rasch zu erkennen und gegenzusteuern. Ersetzt man die menschliche Kommunikation durch Chat-Bots und andere KI-Tools, braucht es andere Elemente der Kommunikation im Team. So erhalten Führungskräfte das Team zusammen, erkennen einen Handlungsbedarf rechtzeitig und nehmen ihre Rolle als Führungskraft wahr.

Sabine Caliskan (ParP)

Ein starkes kommunikatives Band entsteht durch bewusst gestaltete Strukturen und Rituale. Führungskräfte sollten regelmäßige „Check-Ins“ etablieren, bei denen nicht nur Arbeitsfortschritte, sondern auch individuelle Stimmungen und Herausforderungen thematisiert werden.

KI darf niemals die persönliche Interaktion ersetzen. Führungskräfte müssen offen und transparent über die Rolle und die Grenzen der Technologie sprechen. Das schafft Vertrauen und gibt den Teams Sicherheit.

Ich arbeite mit Teams daran, wie sie ihre Kommunikationsmuster verbessern und durch gezielte Moderation ihre Zusammenarbeit stärken können. Der Fokus liegt dabei immer auf der Verbindung von Technologie und Menschlichkeit.

Mag. Paul Bischofberger (Team|Manufaktur):

Ich sehe in Zusammenhang mit KI – derzeit – keinen Grund, mehr oder besonderes Augenmerk auf die zwischenmenschliche Kommunikation zu legen, aber vielleicht verstehe ich die Frage auch nicht wirklich. Um eine Analogie zu bemühen: Vor Jahrzehnten wurden Texte mit Schreibmaschinen verfasst, heute nutzen wir PCs – die grundlegende Art und Weise der Kommunikation ist im Wesentlichen gleich geblieben. Es sei denn, KI bringt Tools hervor, die weit über das hinausgehen, was Zoom & Co. derzeit bieten. Dann müsste die Fragestellung sicherlich neu bewertet werden, aber dafür fehlt mir persönlich die Vorstellungskraft.

KI & Tools

Welche Voraussetzungen müssen die eingesetzten Tools (HR-SOFTWARE, diverse Apps, etc) erfüllen, um KI zielführend einzusetzen?

Mag. Marina Begic, CMC  (MDI)

Die besten KI-Tools sind die, die nahtlos in unsere bestehenden Prozesse integriert werden und echten Mehrwert liefern. Mir ist es wichtig, dass sie auf hochwertigen Daten basieren, denn ohne saubere Daten kann keine KI gut arbeiten. Ebenso müssen die Tools intuitiv bedienbar sein, damit alle im Team sie gerne nutzen. Gleichzeitig sollten sie den Datenschutz wahren und die Anforderungen des EU AI Act erfüllen. Ein gutes Beispiel ist die Nutzung von PROMOTE das Facilitatoren hilft personalisierte Lernempfehlungen an Lernende zu geben, was das Engagement nachweislich erhöht. 

Johannes Kreiner  (Sage)

Um KI zielführend einzusetzen, müssen die Tools mehrere grundlegende Voraussetzungen erfüllen. Datenqualität ist entscheidend, da KI nur mit präzisen und gut strukturierten Daten zuverlässige Ergebnisse liefern kann. Gleichzeitig muss der Datenschutz gewährleistet sein, um sensible Informationen zu schützen und den rechtlichen Anforderungen, wie der DSGVO, zu entsprechen.

Ein wichtiges Kriterium ist auch die Nachvollziehbarkeit der KI-Entscheidungen, da transparente Algorithmen Vertrauen schaffen und sicherstellen, dass Entscheidungen erklärbar sind, insbesondere in Bereichen wie Recruiting oder Mitarbeiterbewertung.

Bias in KI-Modellen bleibt eine der größten Herausforderungen. Das heißt, KI ist besonders effektiv Routineaufgaben zu übernehmen, aber der Mensch bleibt in der Entscheidungsfindung zentral. Beispiele sind die automatisierte Analyse von Mitarbeiterbefragungen oder Gehaltsverhandlungen, bei denen KI Vorschläge machen kann, aber nie eine finale Entscheidung treffen sollte.

KI sollte als Erweiterung bestehender HR-Plattformen fungieren und nicht als isoliertes Tool, das zusätzlich verwaltet wird. Benutzerfreundlichkeit spielt eine zentrale Rolle, da die Software intuitiv bedienbar sein muss, damit alle Mitarbeitenden, unabhängig von ihrer technischen Expertise, sie effektiv nutzen können.

Auch die Kosteneffizienz muss berücksichtigt werden. Der Einsatz von KI sollte durch messbare Vorteile, wie Zeitersparnis und verbesserte Entscheidungsprozesse, gerechtfertigt werden und Unternehmen müssen klar definieren, welchen Nutzen KI bringt. Nur so kann der ROI (Return on Investment) des KI-Einsatzes sichergestellt werden, was für Unternehmen eine wichtige Grundlage darstellt, um in KI-Technologien zu investieren.

FAZIT

Der Einsatz von KI in Unternehmen erfordert weit mehr als technisches Know-how – es braucht eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung und den notwendigen Fähigkeiten. Gesunde Skepsis, gepaart mit Neugierde, hilft dabei, KI kritisch zu hinterfragen, ohne sich vor ihr zu verschließen. Mut, Kreativität und Kompetenz sind essenziell, um KI nicht nur effizient zu nutzen, sondern aktiv mitzugestalten.

Führungskräfte spielen eine Schlüsselrolle in diesem Veränderungsprozess. Sie müssen neue Technologien erkunden, Rahmenbedingungen für den sinnvollen Einsatz schaffen und gleichzeitig die menschliche Komponente bewahren. Denn trotz aller Fortschritte bleibt eines unverzichtbar: die Fähigkeit zu Empathie, Kommunikation und kritischem Denken – Werte, die KI nicht ersetzen kann, sondern die sie gezielt ergänzen sollte.

Interviewte Personen

KI in jedem Atemzug im Daily Business | Zwischen Automatisierung und Empathie
Mag. Armand Kaáli-Nagy
Armand Kaáli-Nagy, OePWZ
Mag. Paul Bischofberger
Paul Bischofberger, Team Manufaktur
Johannes Kreiner
Johannes Kreiner, Sage

Mag. Marina Begic, CMC

  • Chief Innovation & Technology Officer
  • MDI Management Development
Marina Begic

Sabine Caliskan

  • Behavioral Design Architektin
  • ParP – PeopleAtRightPlace
Sabine Caliskan, PeopleAtRightPlace

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