Psychologische Sicherheit wird zum Schlüssel für erfolgreiche Teamarbeit der Zukunft: Sie entscheidet, wie offen Menschen über KI, hybride Arbeit und Diversität sprechen, ob sie Fehler als Chance sehen und ob Führung echte Teilhabe ermöglicht – denn nur in einem Umfeld des Vertrauens entsteht echte Innovation.
Ganz ehrlich: als wir HRweb-intern besprachen, welche Interview-Themen wir 2025 bearbeiten möchten, war ich von dem Thema „psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz“ nicht restlos begeistert. Denn: wir haben max 20 Themen. Jedes aufgenommene Thema vermindert den Platz für andere. Eh klar. Waren andere nicht viel wichtiger? Dennoch ließ ich mich gern darauf ein, es als Versuchsballon steigen zu lassen. Und wer hätte es gedacht – es war jenes Thema, das die allermeisten Interview-Partner ansprach und auch von Leser-Seite erhielt ich ähnliches Feedback! Wenn es tatsächlich so viel Interesse hervorruft, dann dürfen aus dem 1 Thema gerne 3 Einzel-Interviews entstehen.

Links der HR-Branche Personalentwicklung
⇒ Anbieter-Vergleich
⇒ Redaktion
Experten-Interview
Definition
Bitte um eine schnelle Definition von „psychologischer Sicherheit“
Simon Michael Schelkshorn (Teamimpuls):
Stell dir vor, du bist in einem Team, in dem du offen deine Meinung sagen, Fragen stellen und auch mal Fehler zugeben kannst – ohne Angst vor negativen Konsequenzen. Genau das bedeutet psychologische Sicherheit. Es geht darum, dass du dich an deinem Arbeitsplatz authentisch zeigen und neue Ideen einbringen kannst, ohne befürchten zu müssen, dass es deinem Ansehen oder deiner Karriere schadet. Wenn dieses Vertrauen da ist, trauen sich Menschen, kreative Lösungen zu finden, Verantwortung zu übernehmen und können über sich hinauswachsen. Und genau das macht nicht nur den Einzelnen erfolgreicher, sondern auch das gesamte Team. Denn echte Innovation und Höchstleistung entstehen nur dort, wo sich alle sicher genug fühlen, ihr volles Potenzial zu entfalten.
Trends & Entwicklungen
Welche Trends oder Entwicklungen sehen Sie in Bezug auf psychologische Sicherheit in der Teamarbeit, die für die Zukunft relevant sein könnten?
Nikolas Strobl (Oberwasser)
Die zunehmende Integration von KI in Arbeitsprozesse wird eine neue Dimension psychologischer Sicherheit erfordern: Teams müssen sich sicher fühlen, Bedenken gegenüber KI-Systemen zu äußern und deren Grenzen zu diskutieren, während sie gleichzeitig die Chancen dieser Technologie konstruktiv nutzen.
Hybrid- und Remote-Arbeit entwickelt sich zum Standard, was neue Herausforderungen für psychologische Sicherheit schafft. Führungskräfte müssen bewusst virtuelle Räume für informellen Austausch schaffen und digitale Formate so gestalten, dass auch leisere Stimmen gehört werden.
Die Bedeutung emotionaler Intelligenz bei Führungskräften wächst weiter. Neben fachlicher Expertise wird die Fähigkeit, psychologische Sicherheit auch in komplexen, diversen Teams zu etablieren, zur Kernkompetenz. Das umfasst insbesondere das Erkennen und Adressieren unterschiedlicher kultureller Perspektiven auf offene Kommunikation.
Mag. Mag. Heidi Haberl-Glantschnig (Sprungkraft Consulting):
Ein zentraler Trend in Bezug auf psychologische Sicherheit ist der Einfluss der jüngeren Generationen, die andere Werte und Erwartungen an die Arbeitswelt mitbringen. Sie legen großen Wert auf Offenheit, Diversität, flache Hierarchien und einen respektvollen Umgang. Psychologische Sicherheit wird für sie zur Grundvoraussetzung, um sich im Team einzubringen und langfristig motiviert zu bleiben. Themen wie mentale Gesundheit, Work-Life-Balance und Authentizität gewinnen an Bedeutung, was von Führungskräften und Organisationen erfordert, diese Werte aktiv zu leben. Zudem fordern jüngere Generationen mehr Transparenz und Mitgestaltung, was einen stärkeren Fokus auf partizipative Führung und eine gelebte Feedbackkultur verlangt. In Zukunft wird es entscheidend sein, Arbeitskulturen so zu gestalten, dass sie diese Bedürfnisse aktiv adressieren.
Mag. David Kupfer, MSc (Wildniszone)
Was die theoretische Fundierung betrifft, orientieren sich immer mehr Unternehmen am Bild der „Teal Organization“ von Frederic Laloux. Dabei soll der Mensch in seiner Ganzheit gesehen werden und persönliche Stärken und sich selbst auch am Arbeitsplatz entsprechend einbringen können. Außerdem ist ein zunehmendes Interesse am Zugang von Positive Leadership festzumachen. Der Fokus ist dabei unter anderem auf den Stärken der einzelnen Mitarbeitenden.
Im Zuge der (Weiter-)Entwicklung von Teams wird der Schwerpunkt immer häufiger auf die Arbeit am WIR gelegt, um in Teams eine gute Basis für eine Zusammenarbeit zu legen, in der die psychologische Sicherheit für alle Beteiligten gut gegeben ist.
Astrid Wecht (Chill the Monkey)
Aus meiner Sicht sind neben einer konstruktiven Fehlerkultur sowie Vielfalt und Inklusion vor allem drei Entwicklungen besonders relevant:
- Mentale Gesundheit und innere Balance am Arbeitsplatz werden immer wichtiger. Unternehmen, die psychologische Sicherheit ernst nehmen, schaffen Räume für ehrlichen Austausch. Sie bieten Möglichkeiten, innere Stabilität, Ruhe und Resilienz zu stärken – gerade in herausfordernden Zeiten. So entsteht ein Arbeitsumfeld, in dem Menschen sich entfalten und ihr volles Potenzial leben können.
- Hybrides und Remote-Arbeiten verändern die Teamdynamik. Ohne den direkten Austausch im Büro braucht es gezielte Maßnahmen, um Vertrauen und Offenheit zu fördern. Regelmäßige Check-ins, klare Kommunikation und ein Umfeld, in dem sich alle gehört fühlen, sind essenziell.
- Auch der technologische Wandel mit KI und Automatisierung bringt Unsicherheiten.
Mitarbeitende müssen spüren, dass sie in diesen Veränderungen nicht allein gelassen werden. Transparenz, Weiterbildung und aktive Einbindung schaffen Sicherheit.
Simon Michael Schelkshorn (Teamimpuls)
Wir sehen, dass in der heutigen Arbeitswelt psychologische Sicherheit eine immer größere Rolle spielt – und das aus gutem Grund. Hybride Arbeitsmodelle, diverse Teams und globale Zusammenarbeit bringen viele Chancen, aber auch neue Herausforderungen mit sich. Damit Teams wirklich erfolgreich sind, brauchen sie eine Umgebung, in der Offenheit, Vertrauen und ehrliche Kommunikation selbstverständlich sind. Viele Unternehmen setzen mittlerweile auf datengetriebene Ansätze, um die Teamdynamik besser zu verstehen und psychologische Sicherheit messbar zu machen.
Gleichzeitig rückt das Wohlbefinden der Mitarbeitenden stärker in den Fokus – mit Strategien, die Stress reduzieren und Burnout vorbeugen sollen. Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die Entwicklung von Führungskräften. Emotionale Intelligenz und effektive Kommunikation sind entscheidend, um ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich alle gehört und wertgeschätzt fühlen. Und gerade in globalen Teams ist kulturelle Kompetenz gefragt, um sicherzustellen, dass psychologische Sicherheit über Landes- und Kulturgrenzen hinweg gelebt wird. Letztendlich geht es darum, eine zukunftsfähige und innovative Arbeitskultur zu gestalten – in der Menschen ihr volles Potenzial entfalten können und sich wirklich wohlfühlen.
FAZIT
Psychologische Sicherheit wird in der Zukunft nicht nur ein Wohlfühlfaktor sein, sondern ein entscheidender Wettbewerbsvorteil – ob im Umgang mit Künstlicher Intelligenz, in hybriden Arbeitsmodellen oder in der Führung diverser Teams: Nur wer eine Kultur schafft, in der Offenheit, Vertrauen und Mitgestaltung selbstverständlich sind, wird langfristig erfolgreich bleiben.
Interviewte Personen: Psychologische Sicherheit
Zukunfts-Blick | Psychologische Sicherheit als Schlüssel zur Teamdynamik
Astrid Wecht
- Gründerin & Expertin für Bewusstseinsschulung
- Chill the Monkey
- Unternehmens-Profil
- www.chillthemonkey.com

- Geschäftsführung
- Teamimpuls
- Unternehmens-Profil
- www.teamimpuls.at

Nikolas Strobl
- Head Coach und Partner
- OBERWASSER OG
- Unternehmens-Profil
- www.oberwasser.cc

Mag. Mag. Heidi Haberl-Glantschnig
- Geschäftsführerin
- Sprungkraft Consulting

Mag. David Kupfer, MSc
- Wildniszone
